Wesentlichkeitsanalyse einfach erklärt
Warum CSRD-Unternehmen die „doppelte Wesentlichkeit“ prüfen müssen – und weshalb KMU mit VSME davon meist befreit sind.
Die Wesentlichkeitsanalyse (Materiality Assessment) legt fest, über welche Nachhaltigkeitsthemen ein Unternehmen berichten muss. Nach CSRD/ESRS gilt dabei das Prinzip der doppelten Wesentlichkeit.
Doppelte Wesentlichkeit: zwei Perspektiven
- Inside-out (Auswirkungswesentlichkeit): Wie wirkt sich das Unternehmen auf Umwelt, Menschen und Gesellschaft aus?
- Outside-in (finanzielle Wesentlichkeit): Wie wirken sich Nachhaltigkeitsthemen finanziell auf das Unternehmen aus, z. B. durch Klimarisiken oder regulatorische Kosten?
Ein Thema gilt als wesentlich, sobald mindestens eine der beiden Perspektiven zutrifft. CSRD-pflichtige Unternehmen müssen diesen Prozess dokumentieren, Stakeholder einbeziehen und regelmäßig aktualisieren – ein Aufwand, der oft mehrere Monate in Anspruch nimmt.
Und bei VSME?
Der freiwillige VSME-Standard für nicht-börsennotierte KMU verzichtet auf eine formale doppelte Wesentlichkeitsanalyse. Stattdessen gilt das „if applicable“-Prinzip: Unternehmen berichten nur zu den Themen, die für ihr konkretes Geschäftsmodell tatsächlich relevant sind, ohne das aufwendige, mehrstufige Prüfverfahren der CSRD durchlaufen zu müssen. Das ist einer der Hauptgründe, warum ein VSME-Bericht in der Regel innerhalb weniger Tage statt Monate erstellt werden kann.
Quellen
- EFRAG: ESRS 1 – Allgemeine Anforderungen (Wesentlichkeitsanalyse)
- EFRAG: VSME Standard